Interreligiöse Graz-Exkursion

Am Montag, den 11. Juli 2022 fuhr die Interreligiöse Dialoggruppe (TableTalk-Gruppe) nach Graz, wo wir viele Akteur:innen für den Interreligiösen Dialog kennenlernten. Außerdem besuchten wir die Grazer Synagoge, das Afro-Asiatische-Institut und eine Erinnerungsausstellung zum Massaker in Srebrenica.

Synagoge Graz © Jüdische Gemeinde Graz

In der Grazer Synagoge wurden wir nach einer Polizeikontrolle herzlich von Kathrin Ruth Lauppert-Scholz, die von Sicherheitsbeamte begleitet wurde, zu einer angemeldeten Synagogenführung empfangen. Durch sie erhielten wir eine Einführung in die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Graz, in die Architektur der Synagoge sowie in Bräuche und Traditionen des jüdischen Glaubens. Zudem wurden rituelle Objekte der jüdischen Religionspraxis vorgestellt. Wie im Christentum gibt es auch im Judentum große Unterschiede zwischen orthodoxer und liberaler Religionsausübung. So ist im orthodoxen Judentum eine Konversion unmöglich und der Judenstatus kann ausschließlich durch die Mutter übertragen werden. Ist der Vater Jude wird man von der jüdischen Gemeinschaft nicht anerkannt. Im liberalen Judentum ist das anders. Auch gibt es bei diesen für Frauen die Möglichkeit, Rabbinerinnen zu werden. Besonders erstaunlich war für mich jedoch die Erkenntnis, dass nach Schätzungen der Österreichischen Kultusgemeinde nur in etwa 15.000 Jüdinnen und Juden in Österreich, die meisten davon in Wien, leben. Die Grazer Synagoge verfügt aus diesem Grund auch über keinen eigenen Rabbiner, sondern wurde 2013 als Tochtergemeinde in die IKG Wien eingegliedert. Der in Wien tätige Rabbiner Schlomo Hofmeister ist aus diesem Grund auch der Landes- und Oberrabbiners der Steiermark.

Interreligiöser Austausch

Zu Mittag trafen wir uns zum Essen im Café Global, organisiert durch Lisa Weichsler, mit Vertreter:innen des Afro-Asiatischen Instituts und des Interreligiösen Beirates der Stadt Graz. Dabei erfuhren wir, dass die Stadt Graz sich seit vielen Jahren für den Interreligiösen Dialog einsetzt und es seit 2013 eine Grazer Erklärung zum Interreligiösen Dialog gibt. Durch den Interreligiösen Beirat kommt es zudem zu einem regelmäßigen Austausch mit Politiker:innen und die Religionsgemeinschaften können medial geschlossen bei diversen Themen auftreten. Trotz dieser Vorteile waren sich alle einig, dass gerade kleine interreligiöse Aktivitäten wichtig sind, um Menschen auf verschiedensten Ebenen miteinander ins Gespräch zu bringen und um Vorurteile abzubauen. Auch der Spaß am interreligiösen Arbeiten wurde hochgehalten, so erzählte uns Imam Fikret Fazlić: „Nach einer erfolgreichen Veranstaltung mit einem Hindu, wollte dieser mit einem Bier anstoßen. Worauf ich erwiderte, dass wir das gerne machen können, wenn wir dabei Cevapcici aus Rindfleisch essen.“

Interreligiöser Austausch – Gruppenfoto © Katja Salzer
Afro-Asiatisches Institut

Im Anschluss erhielten wir eine Führung durch das 1962 gegründete Afro-Asiatische Institut Graz. Dieses bietet neben Wohnraum für 50 Studierende aus aller Welt, Impulse für interreligiös und interkulturell Interessierte sowie Gebetsräume für Christ:innen und Muslim:innen. Neben Symposien, Vorträgen, Lesungen, Ausstellungen, Konzerte von internationalen Künstler:innen finden in diesem Haus auch längerfristige Projekte und Workshopreihen statt, die stark von der Beteiligung der Studierenden aus aller Welt leben.

Kapelle im Afro-Asiatischen Institut Graz © Regina Schaunig
Srebrenica Ausstellung

Zum Abschluss spazierten wir gemeinsam durch die Altstadt, wobei uns Johannes Mindler-Steiner viele religiöse Gebäude und Denkmäler der Stadt zeigte, um uns eine Ausstellung zum Gedenken an das Massaker in Srebrenica anzuschauen. Dabei handelt sich um das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 1995, während des Bosnienkriegs, wurden mehr als 8000 Bosniaken, fast ausschließlich Männer und Jungen, dabei ermordet. Die Täter vergruben anschließend tausende Leichen in Massengräbern. Mehrfache Umbettungen in den darauf folgenden Wochen sollten die Taten verschleiern. Auch die Rolle der niederländischen Blauhelm-Soldaten, die nicht entschieden einschritten, um die Morde zu verhindern, ist bis heute umstritten. Besonders getroffen werden Angehörige von Ermordeten durch Aussagen von Personen wie dem aktuellen Bürgermeister von Srebrenica, der behauptet, dass dieses Verbrechen nie stattgefunden habe.

Führung durch Srebrenica Ausstellung © Regina Schaunig

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